Die Teamrollen nach Belbin

Löwe — Sinnbild für Teamwork

LÖWETEAMWORKHendrik Dekkers Beratung und Training

Die Teamrollen nach Belbin beschreiben neun Arten, wie jemand in einem Team wirkt — gegliedert in handlungsorientiert, kommunikationsorientiert und wissensorientiert. Jede Rolle hat Vorteile und Nachteile, und keine ist allein tragfähig.

Die neun Rollen

HANDLUNGSORIENTIERTMACHERzielstrebig, dynamisch,aufgeschlossenUMSETZERkonservativ, pflichtbewusst,systematischPERFEKTIONISTgewissenhaft, ordentlich,sorgfältigKOMMUNIKATIONSORIENTIERTKOORDINATORselbstsicher,vertrauensvollTEAMARBEITERumgänglich, sanft,empathischWEICHENSTELLERextravertiert, begeistert,kommunikativWISSENSORIENTIERTNEUERERindividualistisch,unorthodox, ernstBEOBACHTERbesonnen, scharfsinnigSPEZIALISTExperte auf seinem Gebiet,engagiert
Neun Rollen in drei Gruppen — und zu jeder ein Mensch, den man im Team wiedererkennt.

Handlungsorientiert

Macher — zielstrebig, dynamisch, aufgeschlossen. Vorteile: starker Antrieb, fordernd. Nachteile: wenig Verständnis, übt Druck aus, leicht enttäuscht.

Umsetzer — konservativ, pflichtbewusst, systematisch, methodisch. Vorteile: Sinn für das Praktische mit hoher Selbstdisziplin. Nachteile: fehlt Spontanität und Flexibilität, Starrsinnigkeit.

Perfektionist — gewissenhaft, ordentlich, sorgfältig. Vorteile: perfektionistische Veranlagung. Nachteile: sorgt sich schnell, hohe Ansprüche an sich selbst, kritisiert und verurteilt sich oft selbst.

Kommunikationsorientiert

Koordinator — selbstsicher, vertrauensvoll. Vorteile: erkennt individuelle Talente und setzt sie entsprechend ein. Nachteile: nicht überdurchschnittlich kreativ.

Teamarbeiter — umgänglich, sanft, empathisch, gute Unterstützung. Vorteile: flexibel, anpassungsfähig, guter Zuhörer. Nachteile: oft nicht entscheidungsfähig.

Weichensteller — extravertiert, begeistert, kommunikativ. Vorteile: entwickelt Ideen anderer weiter, knüpft leicht Kontakte, verhandelt geschickt. Nachteile: Enthusiasmus kann sich verlieren, braucht Bestätigung.

Wissensorientiert

Neuerer und Erfinder — individualistisch, unorthodox, ernst. Vorteile: fantasievoll, treibt durch Ideen neue Entwicklungen an. Nachteile: introvertiert, reagiert empfindlich auf Kritik, praxisuntaugliche Ideen.

Beobachter — besonnen, scharfsinnig, enthusiastisch. Vorteile: Urteilsfähigkeit, Diskretion, Nüchternheit. Nachteile: langweilig, überkritisch.

Spezialist — Experte auf seinem Gebiet, engagiert. Vorteile: fördernder Beitrag auf seinem Spezialgebiet, professionelle Standards. Nachteile: interessiert sich weniger für die Belange anderer.

Ein Beispiel aus dem Arbeitsalltag

Eine Projektgruppe aus vier Machern.

WORUM ES GEHTVier Macher, ein Projekt, keine ChanceNeun Teamrollen beschreiben, was ein Team braucht. Dieses hierhat von einer Sorte zu viel — und von zwei anderen nichts.
01MONTAG, 9 UHRIch mach das!Nein, ich!Sieben Vorschläge, vier Wortmeldungen, niemandschreibt mit.
02VIER WOCHEN SPÄTERUnd, wie weit sindwir?Umgesetzt ist nichts. Beschlossen war alles — dreimal,in drei Varianten.
03WAS GEFEHLT HATIch mache aus demVorschlag einenPlan.Und ich sage vorher,welcher trägt.Der Umsetzer und der Beobachter. Zwei Rollen, dieniemand besetzt hatte.
04DAS GEGENSTÜCKBitte noch eineKorrekturschleife.Ein Team aus lauter Perfektionisten. Nichts verlässtdas Haus.
DAS ERGEBNISKEINE ROLLE IST BESSER.ES FEHLEN IMMER WELCHE.Neun Rollen, und kaum ein Team hat alle. Die Frage ist,welche gerade fehlt.

Der häufigste Denkfehler

Die Rolle ist keine Person. Die meisten Menschen bringen zwei bis drei Rollen mit und wechseln je nach Aufgabe. Wer jemanden auf „den Perfektionisten“ festlegt, macht aus einer Beobachtung ein Etikett — und aus einem Etikett wird schnell ein Vorwurf.

Der zweite Irrtum: dass ein Team alle neun Rollen bräuchte. Es braucht die Rollen, die zur Aufgabe passen. In der Krise hilft der Macher, beim Jahresabschluss der Perfektionist. Die Frage ist nicht „Haben wir alle neun?“, sondern „Wer fehlt uns gerade für das, was ansteht?“

Was eine Führungskraft damit macht

  • Vor der Besetzung eines Projekts fragen, welche Rollen die Aufgabe verlangt — nicht, wer gerade Zeit hat.
  • Den Nachteil jeder Rolle mitdenken. Wer den Macher holt, holt auch den Druck.
  • Fehlende Rollen benennen, statt sie von jemandem zu erwarten, der sie nicht hat.
  • Im Konflikt hilft die Frage: Streiten hier zwei Menschen oder zwei Rollen?

Eine Übung

Jeder im Team markiert für sich die zwei Rollen, die er am häufigsten einnimmt, und eine, die ihm fernliegt. Dann wird aufgelegt. Zwei Dinge zeigen sich fast immer: welche Rolle mehrfach besetzt ist — und welche im ganzen Team fehlt.

Woher es kommt

Der britische Forscher Meredith Belbin untersuchte in den 1970er Jahren am Henley Management College, warum manche Teams erfolgreich sind und andere nicht. Ergebnis: nicht die Klugheit der Einzelnen entscheidet, sondern die Mischung der Rollen. Im Seminarhandbuch steht das Modell im Kapitel Teamwork, direkt vor dem Drama-Dreieck.

Das passt dazu

Im Seminar üben

Die neun Rollen liest man in zehn Minuten. Sie im eigenen Team aufzudecken, ohne dass jemand sich abgestempelt fühlt, braucht Anleitung.

Quellen

R. Meredith Belbin (1981): Management Teams: Why They Succeed or Fail. Heinemann, London.

Im Seminarhandbuch, Kapitel Teamwork, Seite 53.

Stand: September 2026 · dekkers.at/wissen/teamrollen-belbin/