
Die fünf Axiome sind Grundsätze der Kommunikation, die Paul Watzlawick 1967 formulierte. Der bekannteste lautet: Man kann nicht nicht kommunizieren. Wer in einem Raum mit anderen ist, sendet immer — auch schweigend.
Die fünf Axiome
1 · Man kann nicht nicht kommunizieren
Wer schweigt, sagt etwas. Wer wegschaut, sagt etwas. Solange zwei Menschen einander wahrnehmen, ist Verhalten Mitteilung.
2 · Inhalt und Beziehung
Jede Nachricht trägt zwei Botschaften: die Sache und das Verhältnis. „Die Tür ist offen“ kann Information sein oder Vorwurf. Welche der beiden ankommt, entscheidet die Beziehung.
3 · Wo fängt es an
„Ich ziehe mich zurück, weil du nörgelst.“ — „Ich nörgle, weil du dich zurückziehst.“ Beide setzen den Anfang dort, wo es für sie passt. Wer den ersten Stein geworfen hat, lässt sich nicht klären, nur verlassen.
4 · Worte und Bilder
Wir reden in Worten und gleichzeitig in Tonfall, Gesicht und Haltung. Stimmen beide überein, ist es leicht. Widersprechen sie einander, glaubt der andere dem Tonfall.
5 · Augenhöhe oder Gefälle
Manche Gespräche laufen unter Gleichen, andere in einem Gefälle — Chefin und Mitarbeiter, Arzt und Patientin. Beides funktioniert, solange beide dasselbe darüber denken.
Ein Beispiel aus dem Arbeitsalltag
In der Besprechung geht es seit zwanzig Minuten um ein Formular. Zwei Abteilungsleiter streiten darüber, ob Feld sieben nötig ist. Alle wissen: Um das Formular geht es nicht. Es geht darum, wer hier bestimmt.
Das ist Axiom zwei in Reinform. Solange auf der Sachebene verhandelt wird, was auf der Beziehungsebene ungeklärt ist, kann man das Formular dreimal umbauen — der Streit kommt beim nächsten Thema wieder.
Der häufigste Denkfehler
„Man kann nicht nicht kommunizieren“ ist kein Vorwurf. Der Satz wird gern als Waffe benutzt: „Dein Schweigen war eine klare Botschaft.“ So hat Watzlawick es nicht gemeint. Er sprach von Verhalten in einer Interaktion — zwischen Menschen, die miteinander zu tun haben. Wer allein im Zug sitzt und aus dem Fenster schaut, kommuniziert mit niemandem.
Der amerikanische Kommunikationsforscher Michael Motley hat das 1990 präzisiert: Damit etwas Mitteilung ist, muss jemand etwas mitteilen wollen. Sonst wird jede Deutung zur Unterstellung — und genau daraus entstehen die Konflikte, die das Axiom erklären sollte.
Nützlich bleibt der Satz als Erinnerung: Auch wenn Sie nichts sagen, sieht Ihr Team etwas. Die Frage ist nur, ob es das Richtige sieht.
Was eine Führungskraft damit macht
- Wenn ein Streit sachlich unlösbar wirkt, liegt er meist eine Ebene tiefer. Dann hilft die Frage: „Worum geht es hier eigentlich zwischen uns?“
- Bei Widerspruch zwischen Wort und Tonfall den Tonfall ansprechen, nicht das Wort.
- Die Schuldfrage nach dem Anfang ist Zeitverlust. Wer aussteigt, gewinnt.
- Schweigen im Team ist nie neutral. Wer nichts sagt, sollte wenigstens sagen, warum.
Eine Übung
Denken Sie an einen Konflikt, der sich seit Wochen dreht. Schreiben Sie in eine Spalte, worum es sachlich geht, und in die zweite, worum es zwischen Ihnen geht. Die zweite Spalte ist das Gespräch, das noch aussteht.
Woher es kommt
Paul Watzlawick, Janet Beavin und Don Jackson veröffentlichten die Axiome 1967 am Mental Research Institute in Palo Alto. Die deutsche Ausgabe erschien 1969 unter dem Titel Menschliche Kommunikation. In der Big-Five-Methode gehören sie zur Dimension Flexibilität: Wer erkennt, auf welcher Ebene ein Gespräch gerade läuft, kann die Ebene wechseln, statt lauter zu werden.
Das passt dazu
Im Seminar üben
Die fünf Sätze merkt man sich schnell. Im Gespräch die Ebene zu wechseln, statt lauter zu werden, ist Übungssache.
Quellen
Watzlawick, P., Beavin, J. H. & Jackson, D. D. (1967): Pragmatics of Human Communication. W. W. Norton, New York.
Watzlawick, P., Beavin, J. H. & Jackson, D. D. (1969): Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. Huber, Bern.
Motley, M. T. (1990): On Whether One Can(not) Not Communicate: An Examination via Traditional Communication Postulates. Western Journal of Speech Communication 54(1), S. 1–20.
Stand: September 2026 · dekkers.at/wissen/fuenf-axiome-watzlawick/
