
Das DISG-Modell ordnet Verhalten in vier Grundtypen: dominant, initiativ, stetig und gewissenhaft. Es beschreibt keine Charaktere, sondern wie jemand in einer bestimmten Lage auftritt — und wie man ihn am besten anspricht.
Die vier Typen
Zwei Achsen spannen das Feld auf. Von oben nach unten: wie viel jemand nach außen geht. Von links nach rechts: ob ihn zuerst die Menschen interessieren oder zuerst die Sache.
- Dominant. Entscheidungsfreudig, durchsetzungsstark, risikobereit, wettbewerbsorientiert, unabhängig. Will das Ergebnis, und zwar bald.
- Initiativ. Kommunikativ, begeisterungsfähig, optimistisch, gesellig, motivierend. Will die Idee und die Stimmung.
- Stetig. Zuverlässig, geduldig, unterstützend, teamorientiert, ausgeglichen. Will, dass es für alle passt.
- Gewissenhaft. Analytisch, detailorientiert, organisiert, vorsichtig, qualitätsbewusst. Will es richtig haben.
Ein Beispiel aus dem Arbeitsalltag
Dieselbe Präsentation, vier Reaktionen.
Der häufigste Denkfehler
„Ich bin halt ein D.“ Das Modell beschreibt Verhalten, nicht Menschen. Dieselbe Person tritt im Verkaufsgespräch dominant auf, im eigenen Team stetig und beim Jahresabschluss gewissenhaft. Wer sich auf einen Buchstaben festlegt, nimmt sich die anderen drei weg.
Der zweite Irrtum ist, das Modell auf andere anzuwenden statt auf sich. Es ist kein Werkzeug zum Einsortieren, sondern eine Erinnerung: Mein Gegenüber braucht vielleicht etwas anderes als ich. Der Dominante will die Zahl zuerst, der Gewissenhafte die Herleitung. Beides ist dieselbe Information, nur anders sortiert.
Was eine Führungskraft damit macht
- Beim Dominanten mit dem Ergebnis beginnen, die Begründung danach anbieten.
- Beim Initiativen das Bild zeichnen und Menschen nennen, nicht nur Zahlen.
- Beim Stetigen vorher sagen, was sich ändert, und Zeit zum Ankommen lassen.
- Beim Gewissenhaften Unterlagen mitschicken, bevor Sie eine Entscheidung erwarten.
- In jedem Team sitzen alle vier. Ein Beschluss, der nur einen Typ anspricht, trägt nicht.
Eine Übung
Aus dem Seminarhandbuch: ein Rollenspiel zu zweit. Einer beginnt ein Gespräch und wärmt es auf, der andere wählt heimlich eine der vier Persönlichkeiten. Danach raten und vergleichen. Die zweite Runde geht über den Raum: Was spricht welche Persönlichkeit an — in der Auslage, am Tisch, in den Unterlagen?
Woher es kommt
Das Modell geht auf William Moulton Marston zurück und wurde von Prof. Dr. John G. Geier zum heutigen Verfahren ausgebaut. Im Seminarhandbuch steht es im Kapitel Empathie, direkt neben dem VAKOG-Modell — beide beantworten dieselbe Frage: Wie muss ich es sagen, damit es bei diesem Menschen ankommt?
Das passt dazu
Im Seminar üben
Die vier Typen erkennt man nach einer halben Stunde. Sich im Gespräch umzustellen, während man nebenbei verkauft, ist die eigentliche Übung.
Quellen
William Moulton Marston: Emotions of Normal People (1928) — Grundlage des Modells.
Prof. Dr. John G. Geier: Ausbau zum heutigen Verfahren.
Im Seminarhandbuch, Kapitel Empathie, Seite 22, mit Übung.
Stand: September 2026 · dekkers.at/wissen/disg-modell/
