Feedback, das nicht kränkt

Elefant — Sinnbild für Empathie
ELEFANTEMPATHIE

„Ich muss dir mal ehrlich etwas sagen.“ Wenn dieser Satz fällt, spannt sich im Gegenüber alles an. Und das zu Recht: Was danach kommt, ist selten ehrlich gemeint im Sinne von hilfreich. Meistens ist es aufgestaut.

Das Grundproblem

Die meisten Menschen geben Feedback zu spät. Man ärgert sich einmal, sagt nichts. Zweimal, sagt nichts. Beim vierten Mal platzt es heraus – und dann geht es nicht mehr um das vierte Mal, sondern um alle vier. Das Gegenüber versteht die Wucht nicht, weil es die ersten drei Male nicht mitbekommen hat.

Feedback, das lange liegt, wird nicht reifer. Es wird sauer.

WORUM ES GEHTFeedback, das nicht kränkt„Ich muss dir mal ehrlich etwas sagen.“Nach diesem Satz spannt sich alles an — und das zu Recht.
01DAS VIERTE MALIch muss dir malehrlich was sagen.Dreimal nichts gesagt. Beim vierten Mal kommt alles auf einmal.
02DIE WUCHTDu bist einfachunzuverlässig.Das Gegenüber versteht die Wucht nicht. Die ersten drei Malehat es nicht mitbekommen.
03DER KAMERA-TESTURTEILBEOBACHTUNGhätte die Kamera das gesehen?Über Urteile kann man streiten. Über Beobachtungennicht.
04DAS WORTIMMERDer Bericht kam amDonnerstag.Ein Datum lässt sich nicht bestreiten. Eine Eigenschaftschon.
05DIE WIRKUNGIch war unsicher, obich planen kann.Sagen Sie, was es mit Ihnen gemacht hat. Das kann Ihnenniemand widerlegen.
06AM SELBEN TAGPasst. Sag es mir gleich.Feedback, das lange liegt, wird nicht reifer. Es wirdsauer.
DAS ERGEBNISNICHT, WAS ER IST.WAS SIE GESEHEN HABEN.Sagen Sie es früh, sagen Sie es konkret — und sagen Sie, was esmit Ihnen gemacht hat.

Beobachtung ist nicht Bewertung

„Du bist unzuverlässig“ ist keine Rückmeldung, sondern ein Urteil über einen Menschen. „Der Bericht war am Dienstag vereinbart und ist am Donnerstag gekommen“ ist eine Beobachtung. Über Urteile kann man streiten, über Beobachtungen nicht.

Der Test: Hätte eine Kamera das aufnehmen können? „Zu spät gekommen“ – ja. „Desinteressiert“ – nein. Alles, was die Kamera nicht sieht, ist Ihre Deutung. Deutungen dürfen Sie äußern, aber als Ihre, nicht als Tatsache.

Vier Schritte, die tragen

  • Beobachtung. Was ist passiert? Konkret, ohne „immer“ und „nie“.
  • Wirkung. Was hat das bei Ihnen ausgelöst? Ein Gefühl, kein verkleideter Vorwurf.
  • Bedürfnis. Was ist Ihnen dabei wichtig? Verlässlichkeit, Klarheit, Ruhe.
  • Bitte. Was genau wünschen Sie sich künftig? Machbar und überprüfbar.

Diese vier Schritte gehen auf Marshall Rosenberg zurück. Sie klingen beim ersten Mal hölzern, und das sind sie auch. Nach dem fünften Mal nicht mehr. Die ausformulierte Anleitung mit Beispielen steht in der Übungssammlung.

Der häufigste Fehler

„Ich habe das Gefühl, dass du mich nicht ernst nimmst.“ Das ist kein Gefühl, sondern ein Vorwurf im Gefühlsmantel. Gefühle sind Wörter wie enttäuscht, unsicher, erleichtert, ärgerlich. Faustregel: Wenn nach „ich fühle mich“ ein „dass“ folgt, stimmt etwas nicht.

Und das Lob?

Wird unterschätzt. Nicht als Technik, sondern weil es genauso konkret sein muss. „Super gemacht“ verpufft. „Du hast in der Besprechung dreimal nachgefragt, bis es alle verstanden hatten – das hat uns eine Woche Missverständnisse erspart“ bleibt. Beobachtung, Wirkung, fertig.

Feedback gehört zur Dimension Teamwork. Am intensivsten üben wir das im Seminar Die Big Five der Kommunikation im Team und in der Führungskräfteausbildung.